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Vorführen beim TÜV

Da bei meinem Wagen der TÜV abgelaufen war, hielt ich es für eine gute Idee statt der üblichen 2 jährigen Prüfung eine Prüfung nach §21c StVZO machen zu lassen und den Käfer direkt als technisches Kulturgut zu deklarieren. Bei einem früheren Besuch mit meinem Alltagsauto hatte der Prüfer darum gebeten, die Oltimer-Prüfung anzumelden, um nicht ins Gedränge zu geraten. Ich habe daher einen Termin in den frühen Morgenstunden ausgemacht, entsprechend herrschte gähnende Leere beim Neusser TÜV.

Für den Westen Deutschlands ist hier übrigens immer der TÜV (Technische Überwachungs Verein) zuständig, im Osten dagegen immer der DEKRA. Die Zuständige Prüfstelle war von Anfang an im Gesetz bzw. den Ausführungsvorschriften hierzu festgelegt. Eine Vorführung bei einem freien Sachverständigen war 1997 nicht vorgesehen, vielleicht war man nach den reichlich vorhandenen Harleys mit "110 Dezibel eingetragen" etwas vorsichtiger geworden. In der nächsten Aktualisierung des §21c (2007?) wird sich das wahrscheinlich ändern, die Verhandlungen laufen noch.

Die Oldtimer-Prüfung besteht aus zwei Teilen, der technischen Abnahme und der Beurteilung des Orginalzustandes. Da mein Wagen wenn auch mittlerweile ohne TÜV trotzdem noch angemeldet war, mußte lediglich eine technische Abnahme nach §29 StVZO (normale Hauptuntersuchung) erfolgen.

Da mein VW Käfer in einer längeren Leidenszeit (ziemlich genau 2 Jahre, eben seit dem letzten bestandenen TÜV) in der Karosserie recht aufwendig instandgesetzt wurde, war die technische Prüfung eigentlich kein Problem. Aufgrund der langen Standzeit war die Bremsprüfung anfangs nur mit mäßigem Erfolg gesegnet. Nach mehrfachen Brems-Versuchen des Prüfers, kamen am Ende trotzdem ganz passable Meßwerte für eine Einkreisbremse heraus. Leider pfiff der Motor dann auch noch aus einer Zylinder-Fußdichtung. Da der Wagen ansonsten aber rostfrei und trocken war, klappte die technische Prüfung mit "geringen Mängeln".

In einem Zug erledigten die beiden Prüfer die Beurteilung des Originalzustandes. Beim VW Käfer ist dies kein Problem, da fast jeder Autofahrer bereits einen gefahren hat. Entsprechend oft sind Käfer auch beim TÜV. Meine beiden Prüfer erkannten sogar, daß die Achsschenkel zwecks neuer Bundbolzen ausgetauscht wurden. Das Fachwissen erschwert die Ummeldung mit nicht originalen Umbauten: Ein Judson-Kompressor ist bei einem 60er Käfer sicherlich akzeptabel, ob ein Typ4 mit Einspritzung und Porsche-Lüfterkasten überhaupt eine Chance hat wage ich dagegen zu bezweifeln.

Bei Exoten und raren Stücken empfehlen die Experten die Mitnahme von Bedienungsanleitungen und Fachbüchern über den Fahrzeugtyp. Mit sehr seltenen Fahrzeugen ist die Situation beim TÜV manchmal ganz anders: Bei einem Kollegen mit seiner Sammlung von Ford Osi (Restbestand weltweit um die 50 Fahrzeuge) hieß es beim TÜV: "Wie soll ich Ihnen erklären was original ist, das wissen Sie eh besser als ich!"

Nach erfolgter Prüfung, um 99,75 DM erleichtert, bekam ich dann zwei Dinge: Erstens den üblichen Prüfbogen der Hauptuntersuchung und zweitens ein zweiseitiges Gutachten über die Einordnung als Oldtimer. Eine Plakette wurde nicht geklebt, da der TÜV davon ausgeht, daß innerhalb kurzer Zeit das Kennzeichen gewechselt wird.

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